AGB oder Vertrag – was brauche ich wann und was gehört wo rein? Teil 2

Hier ist die Fortsetzung von Teil 1. Es geht um AGB und Verträge, Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Wenn du Teil 1 noch nicht gelesen hast, mach das unbedingt vorher. Hier geht’s zum Teil 1.

Und was ist dann ein Vertrag?

Ein individueller Vertrag enthält das, was du mit genau dieser einen Kund:in ausgehandelt hast. Konkreter Preis, konkrete Leistung, konkreter Zeitraum. Das ist auf diese Person zugeschnitten und wurde – zumindest theoretisch – verhandelt.

Das Schöne daran: Individualvereinbarungen schlagen AGB immer. Steht in deinen AGB „keine Ratenzahlung“, ihr habt aber per E-Mail Ratenzahlung vereinbart? Die E-Mail gewinnt. Das steht im § 305b BGB, und der lässt nicht mit sich verhandeln.

Die einfache Faustregel

AGB: Alles, was für alle Kund:innen gleich gilt – die Spielregeln deines Business.

Vertrag: Alles, was für diese eine Kund:in spezifisch ist – der konkrete Deal.

Klingt simpel. Ist es auch – wenn man’s einmal verstanden hat.

Was heisst das jetzt für dich?

Du musst dir überlegen, was du anbietest: 1:1 Coaching? Eine Membership? Einen Onlinekurs? Ein Mini-Mentoring? Und danach kannst du im nächsten Schritt überlegen, welche Regeln für alle gelten sollen, und wo du individuelle Regeln brauchst. Ein Onlinekurs zum Beispiel kann rein über AGB geregelt werden. Bei einem 1:1 Coaching kannst du AGB anwenden, diese aber für jedes einzelne 1:1 Coaching konkretisieren, indem du deine AGB mit einem Vertrag über deine konkrete Leistung in diesem Fall ergänzt.

Was gehört also wohin?

In die AGB gehört:

  • Zahlungsbedingungen (Fälligkeit, Ratenzahlung allgemein, Verzug)
  • Stornobedingungen & was bei vorzeitigem Abbruch passiert
  • Haftungsregelungen
  • Urheberrecht an deinen Materialien
  • Widerrufsbelehrung (wenn du an Verbraucher:innen verkaufst)
  • Datenschutzhinweis
  • Gerichtsstand & anwendbares Recht
  • Schweigepflicht & Vertraulichkeit
  • Pflichten der Kund:in (Mitwirkung, pünktliche Terminteilnahme)
  • Kündigung & Laufzeit (die allgemeinen Regeln)

Alles, was du nie neu verhandeln willst. Was immer gleich ist. Was du nicht jedes Mal neu erklären möchtest.

In den Vertrag gehört:

  • Konkrete Leistungsbeschreibung (was genau machst du für diese Kund:in?)
  • Honorar und Zahlungsplan
  • Laufzeit und Startdatum
  • Vereinbarte Sonderregelungen (die von den AGB abweichen)
  • Namen, Kontaktdaten, Unterschriften

Alles, was individuell ist. Was ihr zusammen besprochen habt. Was nur für diesen einen Auftrag gilt.

Und wann brauche ich eine Unterschrift?

Gute Frage. Die ehrliche Antwort: Seltener als du denkst – aber öfter als du vielleicht machst.

Für die AGB: Eine Unterschrift ist nicht nötig. Es reicht, wenn die Kund:in sie nachweisbar zur Kenntnis genommen hat – also das Häkchen geklickt oder das Angebot von dir annimmt (sofern du im Angebot auf deine AGB verwiesen hast).

Für den Vertrag: Hier empfehle ich eine Unterschrift – oder zumindest eine schriftliche Bestätigung per E-Mail (das nennt sich Textform und ist rechtlich ausreichend). Warum? Weil du damit dokumentierst, dass beide Seiten das Gleiche verstanden haben. Und weil du im Streitfall etwas in der Hand hast.

Praktischer Tipp: Wenn du Verträge als PDF verschickst – lass sie unterschreiben, auch digital. Das kostet fünf Minuten und spart im Zweifel sehr viel Nerven.

Der häufigste Fehler: alles in einem Dokument, nichts klar getrennt

Ich sehe das immer wieder: ein zwölfseitiges PDF, Überschrift: „Vertrag“. Darin: individuelle Leistungsbeschreibung, Preis, Datum – und dann seitenweise allgemeine Regelungen zu Haftung, Urheberrecht, Kündigung.

Das Problem? Wenn die allgemeinen Teile vorformuliert sind (und das sind sie), werden sie rechtlich als AGB behandelt. Und dann greift die AGB-Kontrolle – auch wenn das Dokument „Vertrag“ heißt und individuelle Regelungen beinhaltet.

Das bedeutet nicht, dass du zwei separate Dokumente brauchst. Aber du solltest wissen, was welcher Teil ist – und die allgemeinen Teile entsprechend formulieren. 🎯

Kurz zusammengefasst

AGB und Vertrag sind keine Geschmacksfrage. Sie haben unterschiedliche Funktionen, unterschiedliche Anforderungen – und unterschiedliche rechtliche Konsequenzen.

Deine AGB sind die Grundlage, die für alle gilt. Dein Vertrag ist das, was du mit genau dieser Kund:in vereinbart hast. Und beides muss vor Vertragsschluss klar sein – nicht irgendwann danach.

Wenn du gerade merkst, dass bei dir beides ein bisschen wild durcheinander ist: kein Drama. Das klärt sich schneller, als du denkst. Buch dir den 15-Minuten-Confidence Contract Check und ich bring Licht ins Dunkel.

Was jetzt?

Wenn du gerade nickst und denkst „Oh. Das könnte ein Problem sein“ – dann ist das ein gutes Zeichen. Denn jetzt weißt du’s.

📝 Ich schaue mir deine AGB gerne an und sag dir, wo’s hakt – und wie wir das gemeinsam geradebiegen.

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Dieser Blogbeitrag ist allgemeines Rechtswissen und keine individuelle Rechtsberatung. Du hast konkrete Fragen zu deinen AGB? Dann meld dich – dafür bin ich da.

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